Über “Glück”

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Glück präsentiert: Honegger

Dieser Text ist einem Vater gewidmet, der sich nun schon mehr als ein Drittel seines Lebens im Kreis seiner Krankheit dreht. Unlängst stellte sich nun sein vor mehr als drei mal sieben Jahren gemaltes Krankheitsbild, mit dem stolzen Name Diagnose, als falsch heraus. Nichts desto trotz und gerade deswegen steht hier geschrieben, wie ich diese mehr als drei mal sieben Jahre in meiner Vorstellung erlebt habe. Honegger ist sein Name oder jedem sein Name, man kann ihn lieben oder hassen oder Hasen hassen die auf dem Rasen mit anderen Phrasen grasen.

Gregor Brändli, dessen Vater jahrelang mit der Diagnose Schizophrenie lebte, hat ein biografisch gefärbtes, verwirrendes, sehr eigenwilliges und temporeiches Buch voller anarchistischer Energie und orthografischer Ignoranz geschrieben: „Honegger – ein Panorama“ – ein Buch über die Suche nach der Normalität im Alltag. Die Figur Honegger ist durch den Vater von Gregor Brändli inspiriert – Honegger könnte aber jeder von uns sein.

Viele Menschen leben mit psychiatrischen Diagnosen oder kennen Betroffene. Vielleicht hat man eine Lösung für den Umgang damit, vielleicht nicht, vielleicht möchte man selber nicht zu sehr damit in Verbindung gebracht werden.

Honegger ist der Prototyp einer scheinbar verlorenen Seele – ein durchschnittlicher Zeitgenosse mittleren Alters mit Brille und Regenschirm, welcher dem Ruf des Alltags folgt: Er spaziert in der Hauptstadt, er geht zum Psychiater, denkt ornithologisch, er schreibt einen Brief an sich selbst, muss sich vor Gericht verantworten (Verdikt: Er habe in der Hauptstadt die Zeit totgeschlagen), er reinigt die Turmuhr, und er möchte der Realität in die Arme fallen.

Ein Mensch, der immer wieder daran scheitert, Realität und Imagination, Wunsch und Wirklichkeit zu unterscheiden – in seinem Gehirn herrscht Chaos. Das Kollektiv Glück, gegründet vor einem Jahr – bestehend aus Victor Moser, Gregor Brändli, Lukas Kubik, Oliver Goetschel, Benjamin Mathis und Jeremias Holliger präsentieren mit dem Stück „Honegger“ ihre erste gemeinsame Arbeit auf der Theaterbühne. Dieses Stück präsentiert Honegger ohne ihn zu illustrieren. Wir alle sind Honegger. Jeder ist Honegger – zwischen uns die Sprache. Wir sprechen miteinander, doch verstehen wir uns? Wir meinen dasselbe zu meinen. Die daraus entstehenden Missverständnisse, Vorstellungen, Beleidigungen, Wünsche – all das ist Honegger. Glück ist Honegger.

Am Abend der Premiere (11. Oktober 2012, Kaserne Basel) wurde gleichzeitig das Buch „Honegger - ein Panorama“ veröffentlicht.

Hallo. So. Ja - Ich eben. Ich Möchte. Also ich appelliere sozusägen, an die - alle. Eigentlich an alle die so und so lange im eigenen Ego umher geschwommen häben. Meine die wie mich und andere, die von tüten und bläsen eigentlich relativ viel Ahnung häben, aber nicht sofort etwas zu sägen getrauen. Mich läuse ein Affe, wenn es nicht andere gäbe, die nicht so geträuen etwas zu sägen, ohne zu denken wie die Folgen aussähen könnten.

Ein Premiofenster in Koproduktion mit der Kaserne Basel, dem Theater Tuchlaube Aarau, dem Südpol Luzern und dem Migros Kulturprozent. Mit freundlicher Unterstützung: Fachausschuss Tanz und Theater BS/BL, GGG Basel, Futurum Stiftung, Kunst der Stunde GmbH.

Spielplan unter → www.unserglueck.com